![]()
|
Jeder Guzzifahrer kennt sie, die Situationen, die sich unauslöschlich im Gehirn fest brennt. Sie ist gefährlich oder komisch, meist aber fürchterlich peinlich. Auf dem letzten Clubtreff hast Du stundenlang die Zuverlässigkeit Deiner Maschine gelobt, die selbstverständlich einzig und allein auf Deine hervorragende Sachkenntnis bei den Wartungsarbeiten zurückzuführen ist.
Nichts. Ein zweiter Druck auf den Startknopf. Nichts. Ein dritter und vierter. Nichts. Die Menge wird unruhig. Du knickst kurz in der Hüfte ab, um einen Blick
auf den Motor zu werfen. In dem Moment, wo Du zum fünften Mal den Startknopf betätigst, weisst Du, dass es ohnehin Deine letzte Chance ist. Springt sie an, hast Du gewonnen. Alle würden glauben, dass der zündende Funke durch Dein unmotiviertes Gefummel zustande kam. Du drückst den Startknopf nun einwenig härter, oder auch bestimmter... Nichts. In Deinen Ohren saust es, unter dem Helm herrschen
cirka 42 Grad Celsius. Es ist das alte Spielchen - wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung. Es hilft nichts. Helm ab, Jacke auf, nur lässig bleiben. Auch die Kumpels, die natürlich schon längst auf ihren laufenden Maschinen sitzen, drehen murrend den Zündschlüssel wieder herum. Nun kommen auch die ersten persönlichen Attacken. "Echt klasse eingestellt, Hochachtung." Du kontrollierst Benzinschläuche, die Sprithähne,
Kerzenstecker, Zündkabel. Die ersten Kollegen schleppen ihr Werkzeug an, Du
richtest Dich in Gedanken auf eine längere Aktion ein. Plötzlich bleibt Dein
Blick am rechten Lenkerende kleben, es durchläuft Dich heiss und kalt. Mit einem
Schlag hast Du nämlich die Fehlerquelle entdeckt und Dir wird blitzartig klar,
dass die ganze Blamage wirklich restlos überflüssig war. Gleichzeitig durchzuckt
Dich jedoch die Erkenntnis, dass Du mit einem Geniestreich immer noch die
Situation retten kannst. Während also schätzungsweise sechs Personen damit begonnen haben, Dein Motorrad zu zerlegen, beugst Du Dich aus Gründen der Tarnung über besagtes Lenkerende, halt um nachzusehen, ob das Vorderrad noch da ist. Dabei legst Du mit einer ungeahnten Fingerfertigkeit den Schalter auf die richtige Stellung um. Ein kurzer Blick in die Runde - scheinbar hat niemand etwas gemerkt. Klasse! Das Blatt wendet sich. Du leitest den nächsten
Schachzug ein, indem Du die hilfreichen Geister mit forschen Worten von Deinem
Gefährt vertreibst. Mit einem viel sagendem Blick drehst Du dem Volk den Rücken
zu, gehst vor Deinem Triebwerk in die Hocke, den Körper möglichst nahe am
Fahrzeug. Nun fährst Du die geübte Hand an eine Stelle unterm Tank, wo nun
wirklich niemand sehen kann, was Du da eigentlich machst. Tatsächlich machst Du
ja auch, von einem angestrengtem Gesicht einmal abgesehen, wirklich effektiv gar
nichts. Auch hier sind zwanzig Sekunden ein guter Richtwert. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, drehst Du den
Zündschlüssel, öffnest erneut die Sprithähne und klappst den Seitenständer
wieder lässig nach hinten. Die Situation ist höchst spannungsgeladen, niemand
spricht ein Wort. Du setzt deinen Daumen wiederum an, ......... und zur
Verblüffung aller fängt die Mühle an zu klappern. Sollte irgend ein dreister Wicht es wagen, Dich auf
die Fehlerquelle anzusprechen oder nach der eigentlichen Ursache zu fragen, so
gibst Du ihm lapidar zu verstehen: "Entweder man kennt seine Guzzi oder man
kennt sie eben nicht." Du hinterlässt eine nachdenkliche Menge, der Du wieder mal gezeigt hast, dass man wirklich nicht davor zurückschrecken muss, ein klassisches Motorrad mit all seinen kleinen Mucken zu fahren. Vorausgesetzt, man hat den nötigen Sachverstand. |
![]()