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“Meine Guzzi Philosophie”
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Okay, ich konnte mich noch nie gross für Digitaltachos, oder progressiven Umlenkhebeln an Monofederbeinen, oder gar radial montierte Zwölfkolben-Bremszangen an Motorrädern begeistern. Aber … Haben wir nicht mit diesen Perfektionen langsam den Ursprung des Motorradfahrens verlernt? Wo bleibt das „Technikerleben“ ? Hersteller gehen doch, wie im Autobau, immer mehr dazu über mit allerlei technischen Hilfsmittel und Komfortausstattungen den Fahrer vom Geschen abzukoppeln. Aber immer dichterer Verkehr und immer mehr Tempolimits bremsen diese Super Motorräder ja eh alle ein. Technikerleben ? Ja, dies fängt bei mir schon mit dem Einstecken des Zündschlüssels an. Weiter geht es mit dem öffnen von Benzinhähnen. Dann mit beiden Händen unter dem Tank ein Fummeln an den Vergasern, die beiden Klappchokehebel wollen auch erst bedient werden. Nach dem Drücken des Anlasserknopfes erfolgt ein gar nicht so einfacher Vorgang. Denn nun müssen die Funktionen wie Klappchokes zurücksetzen und zugleich mit Gefühlvoller Hand Gasgeben um den Motor am laufen zu halten, richtig gemacht werden. Als Lohn kommt nun wirkliche Bewegung auf, denn hier ist noch nichts "ausgleichsgewellt" und "totgebügelt". Nichts vom diesem nun sich einstellenden Erfolgsgefühl und vor allem von diesem technischen Ablauf wird ein Fahrer einer modernen Einspritzanlage, die ja all dies in automatischer und vor allem in Perfekter Routine erledigt, je erfahren. Technikerleben, fängt für mich also schon mit dem anlassen der Guzzi an. Denn erst wenn man diese Abläufe des banalen Anlassvorgangs locker ausführt, wird man sich schon fast zwangsläufig am Sound des nun friedlich dahin bollernden Guzzimotors erfreuen. |
Problemlose, Perfekte und Vibrations- freie Technik die ohne Einfluss eines Fahrers einfach nur funktioniert, kann sicherlich für das Kurvenwetzen Spass machen. Bei meiner Guzzi fängt aber schon das anfahren, welches mit dem einlegen des ersten Ganges akustisch klar hörbar und zugleich körperlich gut fühlbar ist, mit viel Feedback vom Motor an. Lässt man die Kupplung gefühlvoll kommen, rollt sie schon ab Leerlaufdrehzahl willig und kraftvoll wie am Gummiseil gezogen von dannen. In den ersten ca. 10 Minuten, bis der Motor so richtig warm ist, meldet die Guzzi aber alle falschen oder gefühlslosen Befehle die man dem Motor in seinen Bemühungen im Kampf gegen die Massenträgheit gibt, sehr gut als Vibration oder unwilliges Stampfen. Ist sie dann aber einmal warm, folgt nur noch lebendige Performance und pure Besinnung auf das wesentliche, nicht aber ohne jederzeit schlagkräftig zupackender Kraft. Eben eine reine Lust am Fahren. Ganz so dramatisch ist das Guzzi fahren sicherlich nicht, doch ich fühle es jedes mal so und bin froh darüber das in der ältesten italienischen Motorrad Fabrik immer noch solche temperamentvolle und manchmal eben auch eigenwillige Divas vom Band laufen. Wenn also die Technik nicht mehr erlebbar ist, wenn sie nur noch einfach perfekt funktioniert, verliert sie doch wirklich einen grossen Reiz. Alles klar ;-) |
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